Liebe Diebinnen und Diebe

Die deutsche Sprache ist schön.  Doch wenn es um geschlechtsneutrales Schreiben geht, sind wir mit ihr geschlagen. Nutzer, Entwickler, Leser. Das sind unsere Kunden. Richtig geschrieben, aber politisch inkorrekt. Gibt es Alternativen? Ja, aber nur wenige sind erlaubt:

  1. Wir machen die weibliche Form sichtbar. Wir schreiben Nutzer und Nutzerinnen, Entwickler und Entwicklerinnen, Leser und Leserinnen. Politisch korrekt und Duden-konform, aber die Sätze werden elend lang. Außerdem klingen technische Dokumente wie Wahlkampfreden.
  2. Der Schrägstrich: Nutzer/-in, Entwickler/-in, Leser/-in. Geht, aber nicht immer. Die Schreibweise ist nur richtig, wenn die weibliche an die männliche Form des Wortes gehängt werden kann. „Kollege/-in“ ist demnach aus. Auch müssten wir Artikel und Pronomen mit Schrägstrichen versehen. So wie in: „Der/die Nutzer/-in öffnet sein/ihr Programm auf seinem/ihrem Arbeitsplatz“.  Noch Fragen,  lieber/liebe Leser/-in?
  3. Die Klammer. Auch Duden-konform, auch unschön und auch nur korrekt, wenn die weibliche Form im Wortinneren hinzugefügt werden kann, zum Beispiel bei Kolleg(inn)en. Ändern sich die Buchstaben im Wort, ist diese Schreibweise falsch, wie bei Ärztin/Arzt.
  4. Das große I. Viel genutzt, platzsparend, falsch: NutzerIn, EntwicklerIn, RedakteurIn sind ein Duden-No-No. Diese Schreibweise diskriminiert übrigens das männliche Geschlecht, denn wir nehmen nur die weibliche Form wahr.
  5. Der _Unterstrich, auch Gender Gap genannt. „Nutzer_in“ las ich neulich und schüttelte mich. Eine sehr technische Lösung, wie ich finde, und auch nicht im Duden zu finden.
  6. Die Zusammenfassung mit „-schaft“ oder „-kraft“.  Leserin und Leser werden zur Leserschaft, Lehrerin und Lehrer zur Lehrkraft – Personen werden zu Sachen. Diese Schaft- und Kraft-Geschichten sind übrigens alle weiblich. Ich sehe nicht, wie mit ihnen das Problem gelöst werden kann. Außerdem wirken sie unpersönlich. Oder möchten Sie sich, liebe Nutzerinnen und Nutzer, als Nutzerschaft bezeichnen lassen? Ich wäre dann fast lieber eine Redakteur_in.



    Sogenannte geschlechtsneutrale Ersatzformulierungen finde ich auch nicht besser: Redepult statt Rednerpult, Ärztlicher Rat statt Rat des Arztes, Studierende statt Studentinnen und Studenten. Klingt, als hätte man den Wörtern die Seele genommen.

Auch wenn Klammer und Schrägstrich in vielen Fällen korrekt sind, wie sprechen wir sie aus? „Liebe Kolleg, Klammer auf, innen, Klammer zu, en.“ Versuchen Sie das mal mit dem Schrägstrich.

Was mir bei der Recherche auch auffiel: Niemand spricht von Verbrecherinnen und Verbrechern, Fälscherinnen und Fälschern, Diebinnen und Dieben. Darf/muss das kriminelle Milieu männlich bleiben?

Wie schreibt man geschlechtsneutral und trotzdem richtig und lesbar? Darf man Sprache verbiegen, bis sie gesellschaftlichen Ansprüchen gerecht wird? Die Lektorin Juliane Topka beschäftigt sich in ihrem Blog auch mit diesem Thema: http://www.sprachpingel.de/allgemein/vorstaendin.

Wir schreiben viel auf Englisch und sind meistens fein raus.

Wie gehen Sie vor?

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