Birchermüsli-Kommunikation aus Mischmasch und Zwiebelprinzip neu definiert

Natürlich kam das mit dem Müsli von einem Schweizer. Für ihn versinnbildlicht das Birchlermüsli den Kommunikations-Mischmasch auf diversen Kanälen wie E-Mail, Dokumentation und Schulung. Der Schweizer Kollege und ich waren auf dem Content-Delivery-Symposium 2015, das am 30. September in Stuttgart stattfand.

Content Delivery ist in aller Munde. Doch was genau verbirgt sich dahinter? Im Grunde geht es darum, Informationen anwendungs- und anwendergerecht zu verteilen. Das Konzept basiert auf den Prozessen und Methoden des Content-Managements, aber erweitert diese. Neben den modularen Informationen aus Redaktionssystemen können auch Informationen und Dokumente aus weiteren Informationsquellen zu einer gemeinsamen Auslieferung aggregiert werden.*

Mit 120 Teilnehmern war das Content-Delivery-Symposium komplett ausgebucht. Im ersten Teil ging es um die Anforderungen an Content-Delivery-Lösungen. Anschließend stellten verschiedene Anbieter konkrete Lösungen vor. Häufig wiederholte Anforderungen waren unter anderem:

  • Modulare Produkte erfordern modulare Dokumentation.
  • Der herkömmliche Dokumentenansatz kann die vielfältigen Produktvarianten und die Flut von Informationen nicht mehr bewältigen.
  • Benutzer benötigen gezielte Abfragen und relevante Informationen je nach Anwendungsszenario und Zielgruppe.
  • Benutzer benötigen multimediale Inhalte.
  • Informationen aus verschiedenen Quellen und von verschiedenen Autoren müssen integriert und harmonisiert werden, z.B. Service-Informationen, FAQs, technische Dokumentation, Website-Inhalte und Presales-Materialien.
  • Inhalte müssen online ausgeliefert, aber auch offline zur Verfügung stehen, z.B. für Servicetechniker, die nicht immer online sind.
  • Papiermengen müssen reduziert, aber trotzdem sollen rechtliche Anforderungen erfüllt werden.
  • Benutzer sollen kommentieren können und das Feedback in die Redaktion zurück geliefert werden.
  • Informationen dürfen nicht nur in der Dokumentationsabteilung gepflegt und einmalig ausgeliefert, sondern müssen entlang des gesamten Product-Lifecycles gemanagt werden.

Die vorgestellten Projekte und Lösungen folgten (grob verallgemeinert) oft diesem Ansatz:

  1. Inhalte werden modularisiert, zumeist auf Grundlage von XML und oft auf die Granularität von Topics
  2. Inhalte werden mit Metadaten ausgezeichnet (PI-Klassifikation).
  3. Unstrukturierte Inhalte werden indexiert.
  4. Inhalte aus verschiedenen Quellen werden aggregiert. Als Aggregationswerkzeug können die Content-Delivery-Lösungen oder ein Informationsmanagementsystem dienen.
  5. Content-Delivery-Anwendungen werden auf Basis eines Redaktionssystems oder als eigene Anwendung entwickelt. Als Auslieferungsformate dienen Apps, Webportale oder auch PDF. In Apps und Portalen machen Metadaten facettierte Suchen oder Vorfilterung möglich.

Insgesamt ein sehr lehrreicher Tag, der sich hoffentlich nächstes Jahr wiederholen wird. Denn es sind natürlich jede Menge Fragen offen – wie sieht z.B. die rechtliche Situation aus, wenn mehr und mehr Inhalte in Online-Anwendungen ausgelagert und nicht mehr gedruckt werden? Wie steht es mit der Datensicherheit bei elektronischer Maschinendokumentation?

Neben dem Birchermüsli wurde übrigens auch das Zwiebelprinzip neu definiert: "Man legt Schichten aus Metadaten, multimedialen Inhalten, Links, Übungsfragen etc. um ein unveränderliches Informationsobjekt, um einen Mehrwert bzw. Mehrfachnutzung zu schaffen."

Wer noch mehr zu diesem Thema lesen möchte: In unserem Wissensartikel "Handbücher abschaffen! Vom Dokument zur Wissensdatenbank" beschäftigen Dr. Achim Steinacker (i-views) und ich uns ausführlich mit dem Thema Content Delivery und Dokumentation im Zeitalter von Industrie 4.0.

* http://www.content-delivery-2015.de/

 

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