Blended Learning – oder wie man am besten online lernt

von Katrin Mehl am 14. Oktober 2020

Immer öfter wird die klassische Präsenzschulung durch die digitale Schulung ersetzt. In Zeiten von COVID-19 und Homeoffice stellen viele Schulungsanbieter auf digitales Lernen um. Für die Generation Y, die in einem digitalen Umfeld aufgewachsen ist, ist digitales Lernen ohnehin eine Selbstverständlichkeit. Aber bietet das digitale Lernen im Vergleich zum traditionellen Lernen nur Vorteile? Welche Methoden gehören zum digitalen Lernen? Und was genau ist Blended Learning oder integriertes Lernen?

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Traditionelles Lernen vs. digitales Lernen

Klassische Schulungen funktionieren wie Unterricht im Klassenzimmer: Schulungsteilnehmer und Trainer treffen sich in einem Schulungsraum, es gibt gedruckte oder elektronische Schulungsunterlagen und Übungen in kleineren Gruppen. Diese Schulungen bieten viel Raum für persönlichen Kontakt, Diskussionen und Rückfragen. Die Schulungsteilnehmer ergänzen die Schulungsmaterialien durch zusätzliche Notizen. Die Tonspur des Trainers rundet das Schulungsmaterial ab.

Klassische Präsenzschulung. © nd3000 | 123RF.com

Allerdings haben klassische Schulungen auch Nachteile: Lerntempo und Qualität bestimmt der Trainer oder die Trainerin. Reisen und Übernachtungen verursachen hohe Kosten und bringen wenig Flexibilität mit sich.

Beim digitalen Lernen wird das Wissen mit Hilfe digitaler Medien vermittelt. Dazu zählen nicht nur Online-Kurse, sondern auch alltägliche Dinge des Lebens. Wer hat nicht schon einmal schnell etwas gegoogelt oder sich ein YouTube-Tutorial angesehen? Das digitale Wissensangebot ist groß und wächst immer weiter auf digitalen Plattformen und Kanälen – egal, ob es sich um eigene Inhalte handelt oder um Schulungen von professionellen Anbietern.

Digitales Lernen: E-Learning und Blended Learning

Wir unterscheiden zwei Formen des digitalen Lernens: E-Learning und Blended Learning.

E-Learning

E-Learning verwendet digitale Medien wie Selbstlernmodule, Videos und Foren für die Präsentation von Lernmaterialien und die Kommunikation zwischen Schulungsteilnehmern und Trainer. Beim E-Learning bestimmen die Teilnehmer Zeit und Ort des Lernens sowie das Lerntempo. Einzige Voraussetzung sind ein Endgerät und ein Internetanschluss. Für diese Form des selbstgesteuerten Lernens benötigen die Teilnehmer allerdings gutes Zeitmanagement und Disziplin, da sie sich selbst zum Lernen motivieren müssen.

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Trainer schneiden Inhalte zielgruppengerichtet auf das Medium zu. Aus diesem Grund verursachen digitale Lernmaterialien meist hohe Kosten in der Produktion; die Kosten können sich aber bei wiederkehrenden Schulungsthemen schnell lohnen.

Blended Learning

Blended Learning vereint die klassische Präsenzschulung mit dem Selbststudium, unterstützt durch digitale Medien.

Blended Learning. Grafik von Katrin Mehl, parson AG

In den Präsenzphasen eines Blended-Learning-Kurses treffen sich Trainer und Teilnehmer persönlich oder per Online-Meeting, mit festen Terminen. In den Selbstlernphasen absolvieren die Teilnehmer E-Learning-Einheiten, lösen Aufgaben oder legen elektronische Prüfungen ab. Die Selbstlernphasen können die Teilnehmer im eigenen Tempo absolvieren, allein oder in Lerngruppen.

Die Trainer bereiten die Lerninhalte für alle Phasen der Schulung nutzer- und mediengerecht auf und wählen die richtige Lernform für das Thema. Präsenzanteile und selbstorganisiertes Lernen werden im Schulungsplan genau aufeinander abgestimmt, wobei die Präsenzphasen oft für die Vertiefung des Gelernten genutzt werden. Meist finden beide Phasen im Wechsel statt. Zusätzlich agieren die Trainer als Moderatoren des Lernprozesses.

Diese Kombination verschiedener Lernformen aus synchronen und asynchronen Methoden gestaltet das Lernen abwechslungsreich und vertieft den Lernerfolg.

E-Learning und Blended Learning im Vergleich

Sowohl beim E-Learning als auch beim Blended Learning geben Trainer die Lerninhalte und Medien formell vor, z. B. in Form von Web-Based-Trainings (WBT), Videos, Podcast oder ähnlichem.

Das E-Learning ist eine virtuelle Schulung ohne Anwesenheit eines Trainers. Schulungsteilnehmer und Trainer tauschen sich hier nur indirekt und gegebenenfalls asynchron in Chat-Räumen, Foren oder in Kommentaren zu Lerninhalten aus. Vom Effekt des Lernens in einer Gruppe können Teilnehmer des E-Learnings daher nicht profitieren. Beim Blended Learning sind die Präsenzanteile mit Trainer und die Möglichkeit zum direkten Austausch wichtig.

Der Organisationsaufwand eines Blended Learnings ist höher als der eines E-Learnings. Während Teilnehmer jederzeit ein E-Learning beginnen können, erarbeiten Trainer eines Blended Learnings einen Schulungsplan, in dem Online-Meetings mit Teilnehmern abgestimmt und Termine für Lernziele, Aufgaben und Tests festgelegt sind. Die Teilnehmer können zwar noch ortsunabhängig lernen, sind aber an einen Termin gebunden, da die weiteren Inhalte der Schulung auf den vorigen Lernzielen aufbauen. Nur in der Selbstlernphase ist es den Teilnehmern möglich, sich das Lernen frei einzuteilen.

Vorteile von Blended Learning

Miteinander statt isoliert lernen. Gruppenarbeiten fördern den Wissensaustausch untereinander und stärken die sozialen Strukturen (Social Learning). Die Ergänzung des Selbststudiums durch Webmeetings und die Bildung von Lerngruppen ermöglichen die Zusammenarbeit zwischen den Schulungsteilnehmern. In Webmeetings werden Lerninhalte direkt vermittelt und die Teilnehmer können Fragen zu Themen stellen. Webmeetings bieten außerdem die Möglichkeit für Feedback. Die Lernenden vergleichen ihre Lösungen miteinander und diskutieren die unterschiedlichen Aspekte. Dadurch wird das Gelernte nicht nur wiederholt; die Teilnehmer setzen sich auch mit den Lerninhalten intensiver auseinander. Das führt zu einem tieferen Verständnis und festigt das Gelernte.

Mit Spaß bei der Sache. Der Gaming-Charakter von Punktesystemen bei Tests oder von kleinen Wettbewerben zwischen Lerngruppen wirkt erfrischend und motivierend auf die Teilnehmer und bietet eine willkommene Abwechslung zu bloßem Lernstoff. Auch Gruppendynamik und Trainer haben eine motivierende Wirkung auf die Teilnehmer und finden im Gegensatz zu E-Learnings einen höheren Anklang. Der Trainer agiert eher als Lernbegleiter statt als Dozent.

Compete for the cup! Beispiel aus einer Blended-Learning-Schulung von parson

Struktur ja, aber in Maßen. Genau das hält der Schulungsplan für die Teilnehmer bereit und bietet so noch genügend Flexibilität, das Lernen unkompliziert in den Alltag zu integrieren. Die Ortsunabhängigkeit spart zudem auch Zeit für Fahrtwege und zu guter Letzt auch Kosten für Anfahrt, Raummiete und dergleichen.

Nachteile von Blended Learning

Allerdings kann es für den ein oder anderen auch schwierig sein, den Schulungsplan mit den vorher abgesteckten Etappen und Webmeeting in den Alltag zu integrieren. Können Teilnehmer Lerninhalte in der vorgegebenen Zeit nicht erwerben oder fallen kurzfristig aus, bleibt ihnen zwar das Lernmaterial, aber das Lernen in der Gemeinschaft und die Moderation bzw. Motivation durch den Trainer fehlen.

Technische Barrieren als Hindernis. Hat der Teilnehmer keinen Computer oder kein Internet, kann er sich Lerninhalte nicht aneignen oder an Lehrveranstaltungen teilnehmen. Auch Internet mit geringer Bandbreite kann die Teilnahme an Webmeetings erschweren. Zudem können fehlende digitale Kompetenz der Teilnehmer oder Einschränkungen der Interaktivität durch die zugrundeliegende Software die Lernerfahrung und den Erfolg des Trainings negativ beeinflussen.

Aufwändige Vorbereitung des Trainings. Zunächst fallen hohe Produktionskosten für die zielgruppen- und mediengerechte Aufbereitung der Lerninhalte an. Digitale Medien bieten viele Möglichkeiten zur Wissensvermittlung, dennoch gibt es auch Grenzen. Was früher über die Tonspur ging, stellen Trainer nun in Textform, Video oder Audio dem Teilnehmer zur Verfügung. Dafür müssen Trainer über eine mediendidaktische Kompetenz verfügen und sollten Inhalte nicht 1:1 aus früheren PowerPoint-Folien übernehmen. Fehlende didaktische Kenntnisse von Trainern oder schlecht aufbereitete Lerninhalte führen bei den Lernenden zu Langeweile oder zum Motivationsverlust.

Der organisatorische Aufwand für z. B. terminliche Abstimmung zwischen Trainer und Schulungsteilnehmern ist höher als bei einem E-Learning oder einer klassischen Präsenzschulung. Trainer müssen mehrere kleine Meetings zeitversetzt an unterschiedlichen Tagen mit ausreichend Zeit dazwischen für das Selbststudium planen und mit den Teilnehmern abstimmen. Diese wiederum müssen sich mehr als einen Block für eine Weiterbildung freihalten, sondern immer wieder kleine Einheiten über einen Zeitraum verteilt einplanen.

Individuelle Barrieren. Trainer können nur bis zu einem gewissen Grad den Lernerfolg eines Blended-Learning-Trainings beeinflussen. Fehlt den Teilnehmern die nötige Disziplin oder Selbstlernkompetenz, wirkt sich das negativ auf den Lernerfolg aus. Der direkte Austausch zwischen Teilnehmern untereinander und Trainer setzt zudem ein gewisses Selbstbewusstsein von Teilnehmern voraus. Sie werden zwar ermutigt, ihre Arbeitsergebnisse vorzustellen oder Dinge anzusprechen, die sie nicht verstanden haben. Aber nicht immer fühlen sich alle Teilnehmer wohl dabei. Manch einem ist es unangenehm, vor der Gruppe seine Unwissenheit zur Schau zu stellen oder auf Fehler aufmerksam gemacht zu werden. Hier ist das Fingerspitzengefühl des Trainers gefragt.

Fazit

Trotz einiger Nachteile bietet Blended Learning klare Vorteile: Durch die abwechslungsreiche Mischung der Lernmethoden bietet die Methode einen nachhaltigen Lernerfolg. Die Trainer können Lerninhalte so gestalten, dass sie jeden Lerntyp unterstützen. Die Teilnehmer der Schulung lernen miteinander, haben einen oder mehrere Trainer als Ansprechpartner und können sich mit ihnen direkt austauschen. Der flexible Schulungsplan lässt sich gut in den Arbeitsalltag integrieren.

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