Recommend+To? Eine Klare-Kante-Empfehlung

In der Technischen Doku vermeiden wir Empfehlungen. Die helfen dem Leser selten: The producer recommends ultra-light power cells. Warum? Was passiert, wenn ich andere nehme?

Ich spreche mit meinem Kollegen Mark über das Thema. "Klare Kante!", ruft er, während sein Espresso aus der Kaffeemaschine zischt. "Wieso empfehlen? Use or do not use ultra-light power cells!"

Espresso machine© VIGE.co | Fotolia.com
Mark hat recht. Aber manchmal empfehlen wir eben doch. Oder werden darum gebeten. Und ein häufiger Fehler, den wir Deutschen im Englischen machen, ist das „to“ nach recommend. Auch die Verben suggest und advise machen uns da manchmal Probleme.

  • We recommend to use ultra-light power cells. (falsch)
  • The bank manager suggests to open a savings account. (falsch)

Was im Deutschen richtig klingt und ist (wir empfehlen Ihnen, ultra-leichte Batterien zu verwenden), ist im Englischen falsch oder zumindest “awkward”.

Wir können die drei „Empfehlungsverben“ recommend, suggest und advise in diesen Satzmustern verwenden:

Mit Objekt

Das Objekt folgt nach dem Verb:

  • The manufacturer recommends ultra-light power cells.
  • The bank manager suggests a savings account.
  • The lawyer advises patience when dealing with a complaining customer.

Wollen wir hinzufügen, an wen sich die Empfehlung richtet, sollten to und die Person, an die sich die Empfehlung richtet, am Ende stehen und nicht direkt nach dem Verb.

  • The manufacturer recommends ultra-light power cells to the customer. (richtig)
  • The manufacturer recommends to the customer ultra-light power cells. (falsch)

Mit advise geht das übrigens. Und jetzt fragen Sie mich nicht, warum.

  • The lawyer advised us to be patient when dealing with the complaining customer.

Mit Gerundium

Das Gerundium setzen Sie direkt hinter das Verb:

  • The manufacturer recommends using ultra-light power cells.
  • The bank manager suggests opening a savings account.
  • The lawyer advises being patient with the complaining customer.

Mit Subjektsatz (noun clause)

In diesem Fall besteht der Satz aus Empfehlungsverb + that + Subjekt + Infinitiv-Verb. Uff, das sieht nicht nur kompliziert aus. Hier spielt auch noch der Subjunctive Mood mit rein. (Und der bietet genug Stoff für einen eigenen Artikel.)

  • The manufacturer recommends that the customer use ultra-light power cells.

Ich erspare Ihnen weitere Beispiele. Der Satz ist grammatisch wohl korrekt, klingt aber sehr formal. Wenn Sie den gestelzten Subjunctive Mood umgehen wollen, empfehlen wir den Plural:

  • The manufacturer recommends that customers use ultra-light power cells.

Oder, noch minimalistischer und besser geeignet für die Technische Doku:

  • Use ultra-light power cells.

Damit wären wir das „recommend-Problem“ los. Aber dann bräuchten wir diesen Artikel nicht, und jetzt hab‘ ich schon so viel geschrieben.

Ich bedanke mich bei Sarah O’Keefe von Scriptorium für ihre hilfreichen Kommentare!

Quellen

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Kommentare   

# Henning Hannover 2018-03-08 18:20
Die pauschale Aussage, dass Empfehlungen in der Technischen Dokumentation selten hilfreich sind, möchte ich doch in Frage stellen. Im Gegenteil können Empfehlungen ausgesprochen wertvoll sein, so sie denn richtig umgesetzt sind. Und dazu gehört eine kurze Erläuterung des Benefits, die das Befolgen der Empfehlung nach sich zieht. Um bei dem Batterie-Beispiel zu bleiben, also z. B. "Use ultra-light power cells in order to …“. Unter der Annahme, dass ein Feature prinzipiell auch mit Batterien, die nicht "ultra-light" sind, funktioniert, wäre der kategorische Imperativ "Use ultra-light power cells." eine unangemessene Verkürzung.
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# Uta Lange 2018-03-09 11:21
Vielen Dank für Ihren Kommentar. Sie haben Recht mit Ihrem Hinweis. Eine Empfehlung kann durchaus sinnvoll sein. Man muss sie nur begründen.
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