Was Redakteure wissen. Oder: Kennen Sie den Unterschied zwischen Taxonomie und Ontologie?

von Uta Lange am 23. Januar 2017

Wenn mein Kollege sich morgens die Krawatte bindet, muss er sich nicht jedes Mal daran erinnern, wie man das macht. Er bindet sie ganz automatisch. Auch wenn er anschließend aufs Fahrrad steigt, ruft er sich nicht in Erinnerung, wie man Fahrrad fährt.

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Ganz automatisch hält er das Gleichgewicht und lenkt in die Kurve. Dieses allgegenwärtige Wissen bezeichnen wir als implizites Wissen. Wir erwerben es, indem wir eine ähnliche Situation wiederholt erleben. Es wird nicht unterrichtet, ist nicht aufgeschrieben und nicht verbalisiert. Daher können wir implizites Wissen nur schwierig teilen.

Sobald wir Alltagswissen aufschreiben, externalisieren wir das implizite Wissen und machen daraus explizites Wissen. Das explizite Wissen kann durch Schrift oder Sprache vermittelt werden. Dadurch ist explizites Wissen speicherbar, vermittelbar und vielseitig nutzbar. Wissen so nutzbar zu machen, das ist zentraler Bestandteil des Wissensmanagements.

Auch Technische Redakteure helfen dabei, Wissen zu externalisieren. Sie reden mit Fachleuten über Prozesse, die ihnen alltäglich erscheinen, die sie aber nicht aufgeschrieben haben. Anschließend erstellen sie ein Informationsprodukt und verwandeln das implizite Expertenwissen in nutzbares explizites Wissen. Ganz ähnlich arbeiten Wissensmanager. Sie identifizieren die wesentlichen Bestandteile eines Wissensgebiets. Das Ergebnis ist aber meist kein klassisches Informationsprodukt, sondern eine formalisierte Beschreibung des Wissensgebiets – ein Wissensmodell.

Unsere Kollegen Mark Schubert und Sabine Stoye haben aufgeschrieben, welche Mittel und Tools einem Wissensmanager zur Verfügung stehen, um ein formalisiertes Wissensmodell zu erstellen – und wie aus einem Technischen Redakteur ein waschechter Wissensmanager werden kann. Lesen Sie mehr in unserem Wissensartikel Was Redakteure wissen.

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