Was Redakteure wissen. Oder: Kennen Sie den Unterschied zwischen Taxonomie und Ontologie?

Wenn mein Kollege sich morgens die Krawatte bindet, muss er sich nicht jedes Mal daran erinnern, wie man das macht. Er bindet sie ganz automatisch. Auch wenn er anschließend aufs Fahrrad steigt, ruft er sich nicht in Erinnerung, wie man Fahrrad fährt.

Fahrradfahrer Was Redakteure wissen© gstockstudio - Fotolia.com

Ganz automatisch hält er das Gleichgewicht und lenkt in die Kurve. Dieses allgegenwärtige Wissen bezeichnen wir als implizites Wissen. Wir erwerben es, indem wir eine ähnliche Situation wiederholt erleben. Es wird nicht unterrichtet, ist nicht aufgeschrieben und nicht verbalisiert. Daher können wir implizites Wissen nur schwierig teilen.

Sobald wir Alltagswissen aufschreiben, externalisieren wir das implizite Wissen und machen daraus explizites Wissen. Das explizite Wissen kann durch Schrift oder Sprache vermittelt werden. Dadurch ist explizites Wissen speicherbar, vermittelbar und vielseitig nutzbar. Wissen so nutzbar zu machen, das ist zentraler Bestandteil des Wissensmanagements.

Auch Technische Redakteure helfen dabei, Wissen zu externalisieren. Sie reden mit Fachleuten über Prozesse, die ihnen alltäglich erscheinen, die sie aber nicht aufgeschrieben haben. Anschließend erstellen sie ein Informationsprodukt und verwandeln das implizite Expertenwissen in nutzbares explizites Wissen. Ganz ähnlich arbeiten Wissensmanager. Sie identifizieren die wesentlichen Bestandteile eines Wissensgebiets. Das Ergebnis ist aber meist kein klassisches Informationsprodukt, sondern eine formalisierte Beschreibung des Wissensgebiets – ein Wissensmodell.

Unsere Kollegen Mark Schubert und Sabine Stoye haben aufgeschrieben, welche Mittel und Tools einem Wissensmanager zur Verfügung stehen, um ein formalisiertes Wissensmodell zu erstellen – und wie aus einem Technischen Redakteur ein waschechter Wissensmanager werden kann. Lesen Sie mehr in unserem Wissensartikel Was Redakteure wissen.

Kommentar schreiben


Blog

Über Lampen, Birnen und Fluchtinstinkte. Nachschlag zur tekom-Tagung 2019

Im letzten Teil unserer tekom-Nachlese gehts um Erleuchtungen in einem Terminologieworkshop und Fehlermeldungen, die den Fluchtinstinkt in uns wecken. mehr ...

KI als Chance oder Bedrohung für den Technischen Redakteur? Bericht von der tekom-Tagung, 3. Teil

Der Begriff Künstliche Intelligenz (KI) ist ein Phantom. Jeder Mensch assoziiert sofort etwas damit, doch die Vorstellungen sind selten deckungsgleich. mehr ...

Sprung ins kalte Wasser oder wie ich das erstmal Mal slammte. Bericht von der tekom-Tagung, 2. Teil

Eigentlich bin ich ja ein alter Hase bei der tekom-Tagung und sollte nicht mehr allzu aufgeregt sein, wenn ich einen Vortrag halte. Aber als Dieter Gust und ich unsere Feierabend-Schnapsidee einer scherzhaften Debatte (Trend-Slam) auf die Bühne brachten, war mir doch etwas flau im Magen. Wie würde das wohl ankommen? mehr ...

Der-die-das, drei Redakteure gehen essen und ein Könjunktiv. Bericht von der tekom-Tagung, 1. Teil

Eine Referentin irritierte mich, weil sie konsequent von "dem" Engine sprach, der in der Software für die maschinelle Übersetzung zuständig ist. Ich benutze bei Engine immer "die".  mehr ...

Der iiBot gibt Anweisung

Ein Chatbot, der dem Servicetechniker genaue Anweisungen für seine akute Fragestellung gibt – live, anwendungsgerecht und zugeschnitten auf die Qualifikation des Servicetechnikers. mehr ...
  • linkedin
  • xing