Mitarbeiter:innen-Porträt: Ann-Cathrin, Senior Technical Communicator

von Diana Keppler am 03. Juni 2022

Ich liebe Entwicklerdoku. Ich finde es spannend, wenn mir ein:e Entwickler:in etwas erzählt, was ich vielleicht nicht gleich verstehe und wozu ich erstmal recherchieren muss. Einen komplexen Themenbereich zu erschließen und dann verständlich ausdrücken, damit es die Zielgruppe auch versteht – das finde ich total charmant.

Ann-Cathrin
Homeoffice im VW-Bus: Ann-Cathrin testet das mobile Arbeiten. (c) Foto: Ann-Cathrin / parson

Vielen Dank, dass du dir die Zeit nimmst, uns etwas über dich und deine Arbeit zu erzählen. Würdest du dich kurz vorstellen und deine Rolle bei parson beschreiben?

Ja klar, gerne. Ich bin Ann-Cathrin. Meine Stellenbezeichnung bei parson ist Senior Technical Communicator. Ich selbst sehe mich jedoch eher als Vermittlerin zwischen Expert:innen, die ein bestimmtes Fachwissen haben, und der Zielgruppe, also den Anwender:innen, die etwas nutzen, das sie nicht selbst entwickelt haben. Neben der Projektarbeit bin ich auch für das Mentoringprogramm zuständig. Das ist eine interne Rolle, bei der ich mich um die Einarbeitung neuer Kolleg:innen kümmere und ein Ohr für ihre Fragen oder Probleme habe.

Wie lange bist du schon bei parson?

Seit März 2011, also elf Jahre.

Welche Aufgaben machen dir am meisten Spaß? Welche Themen interessieren dich?

Ich liebe Entwicklerdoku. Ich finde es spannend, wenn mir ein:e Entwickler:in etwas erzählt, was ich vielleicht nicht gleich verstehe und wozu ich erstmal recherchieren muss. Einen komplexen Themenbereich zu erschließen und dann verständlich ausdrücken, damit es die Zielgruppe auch versteht – das finde ich total charmant.

Warum hast du dich für diesen Beruf entschieden?

Ich finde Herausforderungen sehr wichtig im beruflichen Leben und im beruflichen Kontext. Und es ist eine Herausforderung, etwas Unverständliches oder „Fachchinesisches“ aufzubereiten. Deswegen habe ich mich speziell für parson entschieden, wo ich nicht immer nur nach Schema F vorgehen kann, sondern verschiedene Projekte betreue, die andere Anforderungen haben.

Was sind das für unterschiedliche Projekte, was unterscheidet sie?

Im Moment beschäftige ich mich viel mit Spezifikationen für Navigationsdatenbanken und Standards aus der Automobilbranche. Ich war auch schon Scrum-Masterin eines Projektes, bei dem ich die Entwicklung mitkoordiniert habe. Mein Aufgabenbereich deckt also viel ab, vom Projektmanagement über Technische Doku und Test Cases schreiben bis hin zum Technischen Schreiben. Und diese Bandbreite finde ich super spannend.

Kannst du mehr zum Mentoringprogramm sagen, um was geht es da und was machst du?

Es geht in erster Linie darum, dass neue Kolleg:innen eine:n Ansprechpartner:in haben, der bzw. die sie in unsere Infrastruktur einführt und ihnen sowohl einen Überblick über die Arbeitsprozesse gibt als auch ein offenes Ohr für Probleme hat. Das kann Hilfe sein, um mit Feedback umzugehen oder um in bestimmten Projekten voranzukommen. Ich biete also als Mentorin meinen Erfahrungsschatz als erfahrene Kollegin, um neue Kolleg:innen anzulernen und zu unterstützten.

Wie lange dauert das Mentoringprogramm?

Das hängt von der Situation und den Voraussetzungen ab. Wir haben ein Standardmodell für die ersten Wochen, bei dem sich beide Seiten jeden Tag zusammensetzen. Aber es wird dann relativ schnell individuell, weil jede:r Kolleg:in unterschiedlich oft Feedback braucht. Wir schauen auch, ob ein:e Kolleg:in Unterstützung in einem bestimmten Bereich benötigt und wir eine Schulung mit anderen Kolleg:innen organisieren können. Manchmal brauchen wir das aber nicht, weil alles bekannt ist. Das ist immer recht spezifisch. Es gibt eine Grobstruktur und die wird dann individuell ausgestaltet.

Wie war dein beruflicher Werdegang? Was hast du studiert und was hat dich zu parson geführt?

Ich habe in Hildesheim Internationales Informationsmanagement studiert. Das ist eine Kombination aus Sprach- und Informationswissenschaften, ein interdisziplinäres Studium, das sehr viele Themen abdeckt, aber bei dem nicht immer klar definiert ist, was man nach dem Studium damit anfängt.

Während des Studiums habe ich ein Auslandssemester in Glasgow gemacht und dabei meine Faszination für Sprachen entdeckt. Davor hatte ich immer gedacht, dass Informatik mein Steckenpferd ist, und in Schottland habe ich festgestellt: Sprachen sind mir fast noch wichtiger.

Am Ende des Studiums hatte ich keinen richtigen Plan, wo die berufliche Reise hingehen soll. Zunächst habe ich ein Praktikum in einem Übersetzungsbüro gemacht und bin dabei das erste Mal in Kontakt mit der Technischen Doku gekommen. Wir haben dort zum Beispiel Anleitungen für Maschinen übersetzt und die Terminologie gepflegt. Und dadurch hatte ich auch Kontakt zur tekom, ich habe viele tekom-Richtlinien während des Praktikums gelesen und angewendet.

Dann habe ich von einer offenen Stelle bei parson gelesen und gedacht, dass ich meinen Hintergrund in Sprach- und Informationswissenschaften wahrscheinlich in der Softwaredoku gut gebrauchen kann.

Haben dich Sprachen und Informatik schon in der Schule interessiert?

Ja doch, ich habe tatsächlich irgendwann in den Neunzigern oder Anfang 2000 meine erste Homepage in einfachem HTML gebaut. Ganz furchtbar, wenn man das mit heutigen Standards vergleicht. Aber ich fand das schon immer spannend. Ich hatte relativ früh meinen ersten Computer, an dem ich auch ein bisschen rumgebastelt habe und dann gleich erst mal wichtige Systemdateien gelöscht habe. Dann durfte ich den Rechner am ersten Tag wieder neu aufsetzen.

Sprachen kamen erst später dazu. Ich hatte zwar Englisch und Französisch in der Schule und bin da irgendwie durchgekommen. Aber ich habe zunächst immer gedacht, dass Sprachen nicht so mein Ding sind. In meiner Zeit in Glasgow habe ich dann Schottisch-Gälisch gelernt und bald gemerkt, es kann funktionieren, wenn man die richtigen Lehrer:innen hat und mit Motivation rangeht.

Womit hast du dich im Studium besonders beschäftigt?

Am Ende des Studiums habe ich mich vor allem mit Minderheitensprachen beschäftigt. Meine Magisterarbeit war eine soziolinguistische Analyse des Sorbischen und Gälischen. Ich habe mich dafür mit den verschiedenen Kulturen auseinandergesetzt, über die Probleme der Minderheiten recherchiert und lange Interviews geführt. Es gibt aktuell immer mehr Anleitungen, die zum Beispiel für lokale Produkte in Sprachen wie Schottisch-Gälisch übersetzt werden. In Bezug auf Minderheitensprachen gibt es auch immer mehr Online-Seminare.

Hast du berufliche Ziele für die Zukunft? Wenn ja, wie sehen diese aus?

Das Mentoringprogramm steckt aktuell noch in den Kinderschuhen. Wir haben gemerkt, dass es noch nicht an jeder Stelle funktioniert und dass zum Beispiel unterschiedliche Generationen anderes Feedback brauchen und vielleicht auch andere Mentor:innen. Mein Ziel ist, da tiefer einzutauchen und das Mentoringprogramm so aufzubauen, dass beide Seiten, also Mentor:in und Mentee, davon profitieren und sich aufgehoben fühlen. So können wir sicherstellen, dass neue Kolleg:innen möglichst schnell parson unterstützen können.

Was können das für unterschiedliche Bedürfnisse zwischen den Generationen sein, wie hat sich das gewandelt?

Tatsächlich ist der Faktor Selbstbestimmung immer wichtiger geworden. Ich finde es zwar schwierig, in Schubladen zu denken, aber wir haben festgestellt, dass es in der neuesten Generation von Absolvent:innen oft das Bedürfnis gibt, selbst etwas zu bewirken. Gleichzeitig möchte man auch angeleitet werden, aber nicht zu stark. Da muss man einen guten Mittelweg finden.

Wie wird sich deiner Meinung nach die Technische Dokumentation in den nächsten Jahren verändern? Was sind die Haupttrends?

Ich habe viel mit Entwickler- und Softwaredoku zu tun und da sieht man ganz klar, dass wir uns immer weiter weg bewegen vom statischen PDF. Informationen werden viel modularer und immer mehr in den Code integriert. Es gibt also nicht mehr ein separates Dokument für die Doku, außer vielleicht bei der Oberflächenbeschreibung. Aber wenn es um Code und Entwicklerdoku geht, wird die Dokumentation viel enger an den Code geknüpft. Im Idealfall haben wir Docs-as Code, also Dokumentation, die in den Code integriert ist.

Ich merke in meinen Projekten, dass die Wertschätzung der Doku steigt, wenn sie eng in den Entwicklungsprozess integriert ist. Das ist meine Wunschvorstellung: Wir als Redakteur:innen sind Teil der Entwicklungsteams und bekommen dadurch möglichst schnell direktes Feedback von den Entwickler:innen.

Davon profitieren auch die Entwickler:innen, weil sie einen Perspektivwechsel haben, da sich die Redakteur:innen andere Fragen stellen. Im Idealfall kommt am Ende ein besseres Produkt heraus, weil man frühzeitig im Entwicklungsprozess schon Schwachstellen identifizieren und verbessern kann. Das ist mein Ziel und in den aktuellen Projekten klappt es auch oft, da wir früher eingebunden sind.

Was bedeutet für dich eine gesunde Work-Life-Balance?

Das ist eine spannende Frage, über die ich mir gerade in der Elternzeit viele Gedanken gemacht habe. Wir haben ja schon über meine verschiedenen Rollen im Beruf gesprochen. Ich habe für mich drei Rollen definiert, die ich gern einnehme: Da ist einerseits meine professionelle, berufliche Rolle. Ich möchte mich Herausforderungen stellen, die ich bewältigen muss, ich möchte mich weiterentwickeln und auch immer mal wieder mit neuen Problemen konfrontiert werden, die ich lösen muss. Beruf bedeutet für mich nicht nur ein Gehalt zu bekommen, sondern vor allem Anerkennung, weil ich etwas geschafft habe, was ich vorher nicht erwartet habe.

Auf der anderen Seite habe ich meine Rolle in meiner Familie: Ich möchte meinen Kindern vorleben, dass ich eine Working Mum bin und dass das funktioniert. Man kann arbeiten und eine Familie haben. Man kann seine Wünsche im Beruf ausleben und muss nicht nur zu Hause sein. Das erfordert allerdings eine gewisse Flexibilität, weil man Beruf, Familie und die Krankheitstage der Kinder – alles unter einen Hut bringen muss. Aber genau das, finde ich, bereichert sich gegenseitig.

Wenn man jedoch nur zwischen Job und Familie hin- und herspringt, ist es auch nicht gut. Für mich heißt das, ich brauche noch eine dritte Rolle wie eigene Hobbys oder einen Bereich, wo ich mich ein bisschen austoben kann. Sonst kann ich auch die anderen Rollen nicht richtig ausfüllen.

Im Moment bin ich noch dabei, ein Gleichgewicht zwischen allen drei Rollen zu finden und zu schauen, wie viel Prozent ich eigentlich für welchen Topf brauche. Und da ist parson eine gute Arbeitgeberin, weil sie einen das auch finden lässt und dir den Raum dafür gibt. Es ist immer jemand von den Kolleg:innen da, falls ein Kind mal spontan krank ist. Es gibt die Möglichkeit zum Homeoffice. Wenn wir unterwegs sind und zum Beispiel eine Telefonkonferenz machen müssen, dann haben wir dafür auch die Infrastruktur. Es gibt die Flexibilität, die Arbeit dann zu erledigen, wenn es passt. Zum Beispiel habe ich mich gestern Abend, als die Kinder im Bett waren, noch mal hingesetzt, weil ich tagsüber etwas nicht fertigbekommen habe. Das ist nicht gefordert, aber es gibt halt diese Flexibilität und du hast die Möglichkeit, selbst darüber zu entscheiden. Ich plane zum Beispiel am nächsten Freitag, einem Brückentag, aus unserem VW-Bus zu arbeiten. Ich möchte das mal testen und sehen, wie es ist, Telefonkonferenzen und wichtige Arbeiten aus dem Bulli zu erledigen. Und vielleicht kann ich ja irgendwann mal am Meer sitzen und von dort arbeiten.

Hast du ein besonderes Hobby?

Mein größtes Hobby ist das Reisen, deswegen auch der Bulli. Das kann ich teilweise auch im Beruf ausleben. Ich arbeite zum Beispiel in einem Projekt im Automotive-Bereich und da gab es vor Corona viele Auslandsreisen. Das fand ich spannend. Zum Beispiel sind wir an den Grand Canyon gereist und ich konnte dort sitzen und den Sonnenaufgang beobachten. Andere Dienstreisen gingen nach China, Tokio, Südkorea und Chicago. Das war faszinierend, gerade für jemanden wie mich, die sehr gerne andere Kulturen kennenlernt. Ich fand es sehr spannend zu erfahren, wie Meetings in Tokio ablaufen und organisiert werden. Während meiner Dienstreise in Tokio war ich zum Beispiel auch in einer Sumo-Halle. Echt klasse.

Sonnenaufgang am Grand Canyon – Highlight einer Dienstreise (c) Foto: Ann-Cathrin / parson

In der letzten Zeit, besonders während der Corona-Pandemie, als reisen nicht so richtig möglich war, habe ich viel geschneidert. Ich nähe sehr gern Klamotten, für die Kinder, für mich selbst. Mich kreativ auszutoben, etwas mit den Händen zu machen, ist für mich sehr wichtig. Sei es am Bulli schrauben oder schneidern. Das ist für mich erfüllender, als einfach vor der Glotze zu hängen und zwei Stunden Fernsehen zu schauen.

Wenn du dir jetzt spontan einen Monat freinehmen könntest, was würdest du tun? Ich kann mir schon vorstellen, was das ist…

Ein Monat spricht schon fast dafür, den Bulli stehen zu lassen und eine weite Reise zu machen oder irgendwo eine Zeitlang zu leben. Reisen und die Welt entdecken, dass ist für mich schon immer wichtig und spannend gewesen. Also ich würde gern diesen Monat in einem anderen Land oder in einer anderen Stadt wohnen, die Kultur erleben und tiefer in das Leben dort eintauchen, das wäre bestimmt eine tolle Erfahrung.

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